Der Sprung in die Erwachsenenwelt

HINWEIS: In meinen Berichten schreibe ich der einfachheitshalber in der männlichen Form.

Der Lernende – Wer ist das?

Der Lernende ist eine Persönlichkeit, welche sich nach 9 obligatorischen Schuljahren, evtl. mit angehängtem 10. Schuljahr, für eine berufliche Grundausbildung entscheidet. Ebenso verfügt er über gemachte Erfahrungen aus seiner Kindheit und Schulzeit innerhalb seines persönlichen Umfeldes.

Der Lernende betritt ein neues Umfeld und verlässt den bis dahin gekannten Rahmen der Schule und Familie. Sein weiterer Weg ist oftmals noch ungewiss. Die meisten Lernenden stecken mitten in der Pubertät und wie Sarah Zanoni (ehem. Renold) in ihrem Praxisbuch Achtung, Teenager! schreibt, «Die Pubertät gilt neben dem Kleinkindalter als die prägendste Phase im Leben eines Menschen. Man spricht deshalb auch von der „zweiten Geburt“.» (Renold 2009, S. 8)

Bevor heute ein Jugendlicher die Rolle als Lernender einnehmen kann, wird von den meisten Lehrbetrieben der Multicheck®Junior verlangt. Das ist in der Schweiz der grösste Anbieter für berufliche Eignungsabklärungen und Kompetenzanalysen, wie sie auf http://www.multicheck.ch schreiben. Es werden Logik, Problemlösung, Merkfähigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen und die Konzentrationsfähigkeit getestet. Die Auswertung zeigt neben dem Bildungsstand auch das Potenzial des Jugendlichen für sechs Berufsfelder mit insgesamt über 70 Einzelberufen. Wer die Wahl hat, hat die Qual!

Leider gibt es keinen Garant, dass der Lernende den für sich richtigen Beruf wählt. Aufgrund der teilweise fehlenden Lehrstellen ist ein Jugendlicher oft auch einfach froh, wenn er eine Lehrstelle gefunden hat. So bestätigen mir das auch einzelne Lernende aus meiner Arbeit als Coach Berufsbildung, die das Lehrverhältnis während unserer Zusammenarbeit abgebrochen und in einem anderen Beruf Fuss gefasst haben.

Im Wegweiser durch die Berufslehre des SDBB Verlags steht: «“Die lernende Person hat alles zu tun, um das Lehrziel zu erreichen.“ Daraus ergibt sich, dass sie die Berufsschule und die überbetrieblichen Kurse besucht und am Ende der beruflichen Grundbildung die Abschlussprüfung absolviert.» und «Wie die übrigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben die Lernenden Anspruch auf Wahrung ihrer physischen und psychischen Gesundheit (Unfallverhütung, Gesundheitsprävention, Schutz vor sexuellen Übergriffen).» (2005, S. 20)

Ein Lernender kann sich während der Ausbildungszeit jedoch nicht nur auf das Lernen konzentrieren, denn wie Sarah Zanoni auch schreibt, entwickelt sich ein Jugendlicher während dieser Zeit nicht nur körperlich sondern auch geistig und psychisch enorm. Im Lernenden befindet sich eine Baustelle, die mehrere Jahre dauert und das künftige Leben zudem grundlegend prägt. (Renold 2009, S. 21 ff) Thomas Sonnenberg schreibt in seinem Buch Die Ausreisser, dass für ein gesundes Wachstum der psychischen und physischen Kräfte die Achtung, Liebe, Zärtlichkeit, Geborgenheit, körperliche Wärme und Nähe gebraucht werden. (Die Ausreisser, 2010, S. 168)

Rudolf Dreikurs erklärt im Buch Grundbegriffe der Individualpsychologie: „Von der Pubertät an ergeben sich für jeden Menschen eine ganze Reihe verschiedenartiger Ziele, die sich jeder selbst setzt, um unter den gegebenen Verhältnissen seinen Wert, seine Geltung zu behaupten oder zu erringen.“ (2009, S. 74) Ein Ziel, das auch ein Lernender verfolgt um einen Platz in der Gesellschaft zu finden.

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